Grabstätte Erich Mühsam
Waldfriedhof Dahlem
Feld 015-479 (Abt. 2 A - 144)
Bis 1994 sah der Besucher noch den grauen Granitstein, wie er 1935 bei dem Steinmetz S. Weiß in Weißensee in Auftrag gegeben wurde: Hier ruht unser Erich Mühsam geb. 6.4.1878 gest. 10.7.1934 Ein Eindruck aus den 80ern: Das Grab eher unauffällig, nicht besonders gepflegt, nicht eben vernachlässigt...- Efeu halt, der flach wuchert. Dann und wann verwelkte Blumen, nicht nur nach seinen Gedenktagen im April und Juli. Es gab also Menschen, denen das Grab des großen Anarchisten und Menschenfreundes bisweilen Ziel war. Das, was vor 15 Jahren bei einem absichtslosen Friedhofsspaziergang, einer zufälligen Begegnung zu sehen war (ist er's wirklich? Warum hier?) bekam in den 90ern durch gemeinsame Bemühungen der Lübecker Erich-Mühsam-Gesellschaft und interessierten Berlinern einen angemessenen Rahmen: Seit 1990 wird das Grab als Ehrengrab geführt. Der Umarbeitung des Grabsteins gingen 4 Jahre Korrespondenz voraus. Nun wird auch seiner Frau Creszentia gedacht, die 1962 in Ost-Berlin starb und deren Urne erst 30 Jahre später von Friedrichsfelde hierher umgebettet werden konnte. Späte, weil deutsch-deutsche Familienzusammenführung.
Auch der Hinweis auf die Umstände seines Todes, die 1935 unberücksichtigt bleiben mußten, sind jetzt 'in Stein gemeißelt'. Dem wachsenden allgemeinen Interesse an Geschichte, die sich auch und gerade auf Friedhöfen manifestiert, wird Rechnung getragen. Es bleibt die Frage: Warum hier? Auf dem Waldfriedhof Dahlem? Ermordet haben ihn die Faschisten in Oranienburg ( - und konnten es sich offensichtlich nicht leisten, ihn namenlos zu verscharren: Zu viele Augen). Abgeholt wurde er aus seiner Wohnung in Britz: Zu wenig Fäuste. Begraben haben ihn seine Freunde hier.
Bestattete:
Erich Mühsam (1878 - 1934);
Creszentia Mühsam (1894 - 1962)
Heidrun Reuter
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